Empörung über Journalistenboykott auf israelische Produkte
Kritik an britischer Journalistengewerkschaft
London
(pte/20.04.2007/06:10) -
Der Aufruf zum Boykott israelischer Produkte durch die britische Journalistengewerkschaft National Union of Journalists (NUJ) http://www.nuj.org am vergangenen Freitag sorgt für Empörung. Israels Botschafter in Großbritannien, Zvi Heifetz, wirft der NUJ Engstirnigkeit und Einseitigkeit vor, berichtet The Guardian. "Es ist eine Schande, dass eine Organisation, die Journalisten repräsentiert und für Prinzipien wie Ausgewogenheit und Objektivität steht, mit einem Boykott israelischer Produkte droht", kommentiert Heifetz den Boykottaufruf.
Auch bei einigen Mitgliedern der Gewerkschaft stößt der Boykottaufruf auf Unverständnis. So etwa bei Donald Mcintyre, Nahostkorrespondenten des Independent und NUJ-Mitglied. "Die Aufgabe der NUJ ist es, Journalisten zu schützen und nicht politische Standpunkte zu vertreten", sagt er gegenüber der Jerusalem Post. Über den Boykott wurde bei der NUJ-Jahreskonferenz am vergangenen Freitag mit 66 zu 54 Stimmen abgestimmt. Damit soll der Protest gegen Israels Militäreinsätze im Gaza-Streifen und "den barbarischen, geplanten Angriff auf den Libanon" vor einem Jahr Ausdruck gegeben werden, heißt es in der NUJ-Stellungnahme. Indes wurde in Internet-Postings der Schritt gelobt und Parallelen zum Boykott des NUJ gegen Südafrikas Apartheids-Regime geknüpft.
Tim Gopsill, NUJ-Sprecher, verteidigt den Boykott und sieht darin einen Zusammenhang zwischen Politik und der Arbeit von Journalisten. "Wie kann der Boykott durch die NUJ verurteilt werden, wenn die EU und die USA die Palästinenser boykottieren, was zu einer schlimmeren wirtschaftlichen Situation in den Palästinensischen Autonomiegebieten führt?" erklärt Gopsill, der die Entführung des britischen Journalisten Alan Johnston in Gaza in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation der Palästinenser sieht.
Die schwierige Gratwanderung zwischen politischem Engagement und dem Kampf für die Anliegen der Journalisten, zeigt sich hier besonders deutlich. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) http://dju.verdi.de sieht sich auch als politische Organisation, aber "in erster Linie beziehen wir Stellung zu Themen, die mit der Profession in Zusammenhang stehen", sagt Ulrike Maercks-Franzen im Gespräch mit pressetext. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) http://www.djv.de trägt im Gegensatz dazu kein politisches Mandat.
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