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pte021127040 Medien/Kommunikation, Forschung/Technologie |
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Studie: Medien am Tropf der PR
Anteil übernommener Texte höher als von Lesern erwartet
Zürich
(pte/27.11.2002/18:36) -
Die unabhängige Berichterstattung der Medien ist weniger unabhängig als allgemein angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt - zumindest für die Schweiz – eine Studie des Deutschen Seminars der Universität Zürich http://www.unipublic.unizh.ch. Demnach übernehmen Schweizer Medien zu einem sehr hohen Anteil Texte, Bewertungen und Zitate, die bereits von PR-Aussendungen oder anderen Texten vorgegeben werden. Auch bei Qualitätszeitungen sei der Anteil solcher übernommener Textteile "viel grösser, als das Publikum erschliessen kann", so Martin Luginbühl, Mitautor der Studie, in einem Interview. Problematisch sei vor allem, wenn dadurch auch Wertungen und Gewichtungen übernommen werden.
Medientexte bestehen zu einem grossen Teil aus Textpassagen, die bereits vorhanden sind. Beispielsweise sei bei kleineren Printmedien der so genannte "intertextuelle" (übernommene) Anteil größer. Aber auch Qualitätszeitungen, bei denen die Kennzeichnung wörtlicher Zitate gut sei, haben einen viel grösseren Anteil, als die Leser annehmen.
Grund dafür sei "ganz banal der grosse Zeitdruck", unter dem die meisten Journalisten arbeiten, so Luginbühl. Durch die Zuordnung von Texten zu einem Autorennamen entstehe der Eindruck eines individuellen Autors beim Leser. Dieser habe die Vorstellung vom "investigativ recherchierenden unabhängigen Journalisten". Die Medien selbst seien "keineswegs bemüht, diesen Mythos zu relativieren". Eine deutliche Kennzeichnung und höhere Transparenz der Quellen sei daher erforderlich. Auch eine Änderung der Arbeitsbedingungen der Journalisten, so dass diesen mehr Zeit zur Verfügung steht. Dies bezeichnete Luginbühl aber sogleich als "utopisch".
Die Studie "Medientexte zwischen Autor und Publikum. Intertextualität in Presse, Radio und Fernsehen" (Seismo Verlag) überträgt das Konzept der Intertextualität aus der Literaturwissenschaft auf die Medienanalyse. Intertextualität geht davon aus, dass ein Text nie für sich alleine, sondern immer in Beziehung zu anderen (vorangegangenen, gleichzeitgen, aber auch zukünftigen) Texten steht. Für die Studie wurden im Zeitraum zwischen April 1997 bis Februar 1998 3.200 Medientexte aus Presse, Radio und Fernsehen zu den Themen "Sozialversicherung" (national) und "Gentechnologie" (international) untersucht.
(Ende)
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